Mittwoch, 24. August 2011

War für nen Wettbewerb.

Was mich stark gemacht hat



Niemals in meinem Leben, das noch an die tausend Jahre dauern mag, werde ich jene Nacht vergessen. Die Nacht, die mich in mehr als einer Hinsicht gezeichnet hat, meinen Körper und meinen Geist. Die Narben und Risse, die meine fledermausartigen Flügel zieren, werden nie wieder verschwinden und mich für immer entstellen. Diese Nacht hat meinen Charakter auf eine Weise beeinflusst, wie nichts danach es getan hat.
Ich war noch ein Schlüpfling, meine Flügel winzig, meine Hörner nicht mehr als winzige Knochenspitzen, die aus meiner Haut ragten. Ich war so jung, kaum dem Gefängnis von Ei entronnen, noch gewickelt in die Liebe einer Mutter, wohl behütet vor allem, was da draußen lauert.
Nur allzu gut erinnere ich mich daran, wie sie mich zum letzten Mal anschnaubte, mich zärtlich an sich drückte und mich mit ihrem Körper wärmte, darauf vertrauend, dass das Leben uns noch viele gemeinsame Nächte schenken würde, in denen ich mich an sie schmiegen und spielerisch nach ihrer Schwanzspitze schnappen konnte. Doch das Schicksal hatte andere Pläne für sie, für mich. Es sollte so kommen, dass der kleine Schlüpfling, nachdem er den grausamen Mord an seiner Mutter mitangesehen hatte und selbst schwer verletzt worden war, tatenlos zuschauen musste, wie seine ungeborenen Geschwister in ihren Eiern entführt wurden, dass er bis zum Morgengrauen neben dem langsam erkaltenden Leib des einzigen Drachen liegen sollte, den er jemals gekannt hatte, sie immer wieder mit seiner kleinen Nase anstupsend, weil er noch nicht verstand, was der Tod war. Es sollte so kommen, dass er in den folgenden Nächten den Alptraum in Gedanken wieder erlebte, jede Nacht, dass er langsam abmagerte und noch immer unermüdlich versuchte, seiner Mutter wenigstens ein Seufzen zu entlocken. Eines Nachts, als seine Wunden wieder schmerzten, brach er zusammen, er sah dem Tod ins Auge, bereit, zu seiner Mutter zu gehen, dem einzigen Wesen, das er gekannt hatte, bis zu jener Nacht, da sie ihm genommen worden war. Während der kleine Schlüpfling ein funkelndes Licht hinter seinen geschlossenen Augenlidern tanzen sah, bemerkte er nicht mehr, dass sich eine große Schnauze unter ihn schob und davontrug, er hörte nicht mehr die Stimmen der Drachen, die nur 'Entsetzlich..', 'Barbarisch..', 'So viel Blut..' murmelten. Er merkte nicht, wie die ihm fremden Drachen um sein Leben bangten und verzweifelt versuchten, den Tod von ihm fort zu scheuchen.
Das nächste Bild, das ich vor mir sehe, ist ein weißes Paar Nüstern, das mich vorsichtig anstupst, fast so zärtlich, wie meine Mutter es tat. In meinem kindlichen Unwissen fragte ich nur 'Wo ist meine Mutter? Wo ist sie? Warum hat sie so lange geschlafen?'. Die Stimme der weißen Drachin zitterte, was ich mir damals nicht erklären konnte, doch jetzt erkenne ich, dass sie nur mühsam die Tränen zurückhielt. 'Kleiner Schlüpfling.. deine Mutter liebt dich sehr. Sie wird eine lange Zeit schlafen, doch bis du wieder bei ihr sein kannst, werden wir uns um dich kümmern.'
Das war der Beginn meines Lebens, wie es ist.
Und ich werde nicht eher ruhen, ehe ich den Tod meiner Mutter an den Menschen gerächt habe.

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