Montag, 10. Oktober 2011

Noch eine Geschichte für nen Wetti.

'Two Hearts, one Love' (Was für ein ekelhaftes Thema für nen Wettbewerb!)

‚Du bist dran.’ sagte er und schaute sie lächelnd an.
‚Hm..?’ machte sie verwirrt und schaute ihm direkt in seine hellblauen Augen. ‚Oh, ja.. genau.’ war alles, was sie schließlich hervorwürgte, als hätte sie sich an den Worten verschluckt. Er lachte über ihren abwesenden Gesichtsausdruck, der wirkte, als befände sie sich in Gedanken auf einem anderen Stern oder in einer anderen Welt.
‚Von wem träumst du?’ neckte er sie. Sie wurde rot und senkte schnell den Kopf, gab vor, sich auf das Schachbrett mit der Partie zu konzentrieren, die sie sowieso verlieren würde. Sie hatte ihn in diesem Spiel noch nie geschlagen, was vielleicht daran liegen mochte, dass sie stets nur an ihn und sein Gesicht, das nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt war, dachte, wenn sie eigentlich ihre nächsten Züge planen sollte. Sie zwang sich, den Gedanken daran zu verdrängen, dass sie sich einfach vorbeugen und ihn küssen könnte und versuchte, sich darauf zu konzentrieren, wohin sie ihre Dame.. Moment, wo war ihre Dame?
‚Levin.’ sagte sie drohend und schaute ihn gespielt entrüstet an. ‚Wo ist meine Dame?’
Er lachte wieder und hielt die kleine, schwarze Figur hoch. ‚Die hast du gerade verloren, aber anscheinend warst du zu sehr damit beschäftigt, von..’ -er täuschte ein Husten vor- ‚jemandem zu träumen, dass du es nicht bemerkt hast.’ Seine Augen blitzten belustigt. Spielerisch schlug sie ihn auf den Arm. ‚Du lenkst mich ab!’ kicherte sie und legte den Kopf schief, um ihn über den Rand ihrer Brille hinweg anzustarren. Er neigte seinerseits ebenfalls den Kopf und starrte zurück. Einige Sekunden vergingen so, in denen sie sich gegenseitig Grimassen schnitten, bis sie ihm schließlich die Zungenspitze zeigte und seinen Turm mit einem ihrer Bauern schlug.
‚Genau das habe ich erwartet.’ grinste er und schlug ihren Bauern mit seiner Dame, die unfairerweise noch im Spiel war, und setzte damit ihren König matt. ‚Schachmatt.’ Sagte er triumphierend.
‚Nicht schon wieder!’ seufzte sie und zwickte ihn in die Seite. Er lachte wieder und umarmte sie. ‚Irgendwann schlägst du mich auch noch.. wenn ich dich gewinnen lasse.’ meinte er.
‚Grr.’ war alles, was sie dazu bemerkte.

Er drückte sie an sich und genoss es, wie sie sich vertrauensvoll an ihn schmiegte. Dieses Hochgefühl versetzte ihn mehr in einen Adrenalinrausch, als es jeder Sieg bei einem Spiel jemals könnte. Er legte seinen Kopf auf ihren und fühlte, wie sie die Arme um ihn legte. Er spürte sein Herz schneller schlagen und ein Kribbeln sich in seinem Magen ausbreiten. Er könnte einfach ihr Gesicht zu ihm drehen, sich hinabbeugen und sie küssen.. So schnell er konnte, schob er diesen Gedanken, so verlockend er auch war, zur Seite, bevor er sich seinen Gefühlen hingeben und ihn ausführen konnte. Das Letzte, das er gebrauchen konnte, war, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Er empfand schon lange mehr als Freundschaft für Calida. Er wusste, dass es hoffnungslos war.. Sie war verliebt, das war klar ersichtlich. Ständig war sie in Gedanken versunken wie eben. Er fragte sich, wie klein die Wahrscheinlichkeit wohl war, dass er derjenige war, an den sie ständig dachte. Verschwindend klein, gestand er sich ein. Und so genoss er Augenblicke wie diese, in denen er ihr so wundervoll nah war. Viel zu schnell wich sie ein Stück zurück, hielt ihn jedoch noch fest. Sie schaute ihn an, mit einem nachdenklichen Ausdruck auf ihren Zügen. Sie schien zu zögern.

Soll ich ihn küssen oder nicht, soll ich oder nicht, soll ich.. war ihr einziger Gedanke in diesem Augenblick. Sie schaute zur Seite. Ihr fehlte der Mut, diesen Schritt zu tun.
Plötzlich spürte sie seine Hand an ihrer Wange, er drehte ihren Kopf so, dass sie ihn ansehen musste. Er schaute sie zärtlich an, doch in seinem Blick lag auch Angst. Nach einem kurzen Augenblick des Zauderns beugte er sich zu ihr und küsste sie sanft.
Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen, spürte nur das Glück, das sie durchströmte und legte die Arme fester um ihn. Als er die Lippen von ihren löste, durchzuckte sie kurz Traurigkeit. Dann sah sie den Ausdruck in seinen Augen, eine Mischung aus Reue und Trauer. Dachte er vielleicht, er hätte etwas getan, das sie nicht wollte? Tatsächlich waren seine nächsten Worte ‚Entschuldige, Cal..’. Er glaubte wirklich, etwas Falsches getan zu haben! Entschlossen drückte sie ihn fester an sich. ‚Was tut dir leid?’ fragte sie gespielt unschuldig. Er antwortete nicht, sondern schaute nur nach unten, seine Wangen röteten sich. Ein Teil von ihr zögerte, doch sie überwand sich, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn. Sie fühlte, dass er überrascht war, doch dann lächelte er unter ihrem Kuss und hielt sie fest. Sie schlug die Augen nieder und sagte lächelnd ‚Es gibt nichts, das dir weniger leid tun sollte.’

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