Freitag, 7. Dezember 2012

Was will ich?


5. Dezember 2012; 22:26
Ich wollte früher immer ein Einzelkind sein. Meine Schwestern - naja, ich beneide Leute, deren Geschwister ihre besten Freunde sind. Mit deren Geschwistern man reden kann.. So wie bei O., seine Geschwister sind echt klasse. Eigene Persönlichkeiten, wie ich die bei meinen Schwestern bisher leider gar nicht feststellen konnte. Könnte auch an der Erziehung liegen, naja.
Die eine, die bei meinem Vater wohnt, ist genau wie er, nur kleiner, jünger und ein Mädchen. Genauso aggressiv, genauso intolerant und dumm (nur, dass der IQ meines Vaters bei ~132 liegt..) und genauso faschistisch ('Blut ist dicker als Wasser'). Ihre Intelligenz zweifle ich eher an. Wie kann man Werte und Charakter eines anderen Menschen so komplett übernehmen?

(Kurze Selbstkritik: Ich weiß, dass ich mich sehr verändert habe, seit ich mit O. zusammen bin und auch sehr viel von IHM übernommen habe. Aber ich bin dennoch ein eigenständiger Mensch und wir streiten uns oft genug, weil wir einfach unterschiedliche Ansichten haben.
Bei meiner Schwester kann man aber Diskussionen vergeblich suchen, sie nimmt alles hin, was mein Vater tut oder sagt und findet es toll. Sie stellt es kein bisschen in Frage. Sie erinnert mich immer an ein Blatt Papier, auf dem er sich selbst malt.)

Meine andere Schwester kann ich schon eher leiden. Also die, die bei meiner Mutter lebt (die 8 Minuten Ältere). Das war aber schon immer so, denn sie ist nicht so aggressiv und jähzornig, sie ist eigentlich total lieb. Ein bisschen wie meine Mutter. Aber meine Mutter lässt ja quasi alles mit sich machen, mein Schwesterchen nicht. Und ich glaube, sie wird von uns dreien auch am meisten erreichen, mit Haus, Hund, Ehemann, Kindern und natürlich nem super Job. Und studieren wird sie bestimmt auch.
Aber diese Entwicklung stelle ich bei ihr erst in letzter Zeit fest. Früher waren die Zwillinge für mich mehr wie 'eine Einheit'. Statt dass man über [Name1] und [Name2] gesprochen hat, meinte man immer 'die beiden' oder 'die Zwillis'. Jetzt ist das ganz anders, vor allem, da sie miteinander auch nicht mehr so gut klarkommen und bei uns die 'Familienparteien' ja quasi total gegeneinander sind, wie im Krieg. Also mein Vater + die Jüngere gegen meine Mutter + die Ältere. Und ich steh irgendwo außen vor, leb bei keinem und vom Charakter her kann man mich auch keinem meiner Elternteile so richtig zuordnen. Ich bin so starrköpfig wie mein Vater, kann aber wie meine Mutter keinem was zuleide tun (nur verbal, hi hi, aber das kann sie ja auch ganz toll). Ich bin ähnlich radikal wie mein Papa. Aber nicht so unglaublich weltfremd und.. menschenverachtend und kompromisslos. Ich lasse mich aber auch nicht so ausnutzen wie meine Mom. Ich bin ein Individuum, das sich in keine Schublade stecken lässt. Als ich bei meiner Mutter gewohnt hab, meinte sie immer, meine schlechten Eigenschaften habe ich von meinem Vater. Und umgekehrt sagte er das selbe. (Gerne fielen auch Sätze wie 'Du bist genau wie dein/e Vater/Mutter!')
Ich bin froh, der 'neutrale' Part zu sein..

Naja, genug Familienbetrachtung, ich schweife ab.
Jedenfalls habe ich mir immer 'richtige' Schwestern gewünscht, oder am besten keine. Wir wurden nämlich nicht so verwöhnt wie diese Bonzenkinder, wegen Hartz IV und drei Kindern statt einem. Ich habs so gehasst, wenn gesagt wurde 'Nein, kein Überraschungsei, dann müssen wir ja wieder direkt drei kaufen!'. Ich durfte auch nie irgendwas haben, wenn meine Schwestern nichts bekommen haben.
Aber umgekehrt wurden die beiden (schon wieder diese Pluralisierung!) mir immer vorgezogen. Ich war die böse Große, von der die den ganzen Scheiß haben, den sie bauen usw. Ich war ja auch schuld daran, dass wir (ganz früher) zu meinem Vater gezogen sind (von wo aus ich wieder zu meiner Mutter gegangen bin nach ein paar Jahren).
Ich weiß, Leute, ich hab die Familie zerstört. (Und ja, so hat meine Mutter das gesagt, dafür hasse ich sie noch immer.)

Ich frage mich immer, was passiert wär, wenn die Zwillinge (und nochmal..) nie geboren worden wären. Wären wir dann noch 'eine Familie'? Wer wär ich jetzt? Ein verwöhntes kleines Ding?
Vielleicht ist es gut so, dass ich mit der Familie nicht klar komme.. Sonst wär ich jetzt womöglich wie meine Schwestern. Und nein, so will ich nicht sein, so minder intelligent, unbesorgt, mit Scheuklappen. Lieber depressiv und pessimistisch als einfach dumm.

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