Wenn du gefragt wirst: Freiheit oder Sicherheit? Was wirst du wählen?
Es ist die grundlegende Frage, eines der Axiome der Postmoderne. Dass die Sicherheit über allem steht.
Doch wollen wir das?
Wir Industrienationen verschließen gern die Augen vor dem, was die Welt außerhalb unserer Blase bereithält. Das Gegenteil von Sicherheit, im Grunde.
Wir sind die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Und was tun wir nicht, um uns das vergessen zu machen.
Was ist schon Sicherheit?
Wenn du den Gedanken ganz zu Ende führst, bedeutet Sicherheit auch das Gegenteil von Freiheit.
Aber was bedeutet dir das Leben, was macht es zum Leben?
Ist das wohl eine Charakterfrage? Ich weiß es nicht.
Ich weiß, dass ich nicht in einer Welt leben will, die mein Leben bestimmt. Ich weiß, dass Selbstbestimmung für mich über allem steht. Bis ganz zum Ende.
Vielleicht muss man erlebt haben, was es heißt, keine Kontrolle zu haben, um das nachvollziehen zu können.
Die vollkommene Fremdbestimmung. Unmündigkeit, Kind sein nennen wir das hier gern.
Aber manche Kinder sind weniger lang Kinder als andere - egal was ihr Alter sagt.
Stecke einen Erwachsenen in den Körper eines Kindes.
Der ultimative Alptraum, ist es nicht genau das?
Wir, die Erwachsenen, fürchten nichts so sehr wie das Gefühl der Unfähigkeit. Anderen ausgeliefert zu sein. Ein Spielball der Gedanken und Gefühle anderer. Nichts zu dürfen. Keinen Willen zugestanden bekommen. Das bedeutet es, ein Kind zu sein.
Für die meisten Kinder ist das gut. Sicherheit, wieder. Der Schutz vor der eigenen Unmündigkeit. Dem Blödsinn, den ein Kinderverstand gern ausspuckt.
Aber manche Kinder sind keine, auch wenn sie so scheinen.
Ich habe nicht das erlebt, was andere Kinder zweifellos erleiden müssen. Ich wurde nicht misshandelt. Ich musste keine Zwangsarbeit verrichten, in einer Nähfabrik arbeiten oder wurde verprügelt. Ich wurde nicht prostituiert, verheiratet oder verkauft. Es gibt so viel schlimmere Schicksale als das meine.
Aber ist Leid nicht ein subjektives Empfinden?
Ich will mich nicht auf eine Stufe stellen mit irgendjemandem. Ich will nur meine Geschichte erzählen.
Ich will nur sagen, dass ich kein Kind mehr war, lange bevor ich es war.
Sicherlich, ich war nicht erwachsen. Vielleicht war es richtig, mich nicht all das tun zu lassen, was ich wollte. Obwohl im Nachhinein das meiste doch nicht schlimm gewesen wäre.
Was ich sagen will, ist dass ich viele Jahre zwar die Fähigkeiten, aber nicht die Möglichkeit hatte, mein Leben zu bestimmen. Ich litt unter dem Eindruck, dass keiner meiner Taten ein Sinn innewohnte. Was ich tat, war irrelevant. Es änderte nichts an der Realität um mich herum.
Ich will nie wieder ein derartiges Gefühl verspüren müssen.
Das ist der Stoff, aus dem Wahnsinn gemacht ist.
Ich weiß, dass ich am Abgrund stand, an dem viele Leute irgendwann stehen müssen.
Es war knapp, sehr knapp, dass ich ihm entging. Nur die Kontrolle über mein Dasein wird es je vermögen, mich in der Welt zu verankern.
Ich werde Freiheit immer über Sicherheit stellen, in einer Welt, die versucht jedes Risiko auszuschalten.
Vielleicht bin ich damit in der Minderheit, aber das ist egal.
Ich bin sowieso eine Minderheit damit, was ich überstanden habe.
Aber ich möchte jedem, der sich an einem Scheideweg in seinem Leben befindet, eines sagen.
Du musst selbst die Kontrolle übernehmen. Du musst dich selbst über die falsche Sicherheit stellen, der du vielleicht vertraust.
Niemand sonst kann dir helfen, wenn du es nicht selbst tust.
Du bist Herr über dein Leben, wenn du es nur willst.
Lass dir das von niemandem nehmen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen