Manchmal kommen alte, sehr alte Erinnerungen hoch und mir wird bewusst, dass ich auch mal ganz anders war.
Als Kind war ich so zerbrechlich. Im Nachhinein wird mir nur zu deutlich bewusst, dass es eigentlich kein Wunder ist, wo ich gelandet bin.
Nicht nur Kinder können grausam sein, Erwachsene können das auch. Zu Kindern. Also, verbal, emotional.
Ich glaube, dass dieses winzige, verletzliche Ich ziemlich oft zerbrochen wurde.
Und es wundert und schockiert mich, dass die Erwachsenen in meinem Leben damals nicht gesehen haben, wie sensibel das kleine Mädchen war. Und wie viele Probleme es mit sich rumschleppte. Von zu Hause und aus der Schule.
Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass ich psychologisch auffällig war. Und dass man sich darum hätte kümmern sollen. Ich meine, mit 6 oder 7 habe ich einfach angefangen zu heulen und erklärt, dass niemand mich lieb hätte. Und Klein-Ich meinte das auch so. Wie kann man einem so kleinen Kind schon so ein Gefühl geben.
Fuck, ich hatte das alles verdrängt.
Oft gab es schon morgens Streit und ich bin mit meinem Teddy im Rucksack zur Schule gegangen, weil ich Angst hatte. Und das auch noch, als ich vielleicht schon 11, 12 war.
Als ich 8 war, hab ich zwischen allen Einsen und Zweien einmal eine Vier nach Hause gebracht und wurde dafür geschlagen. (Nicht verprügelt oder so, wie andere Kinder, das nicht.)
In der Schule hab ich so gut wie nie geredet, das fand auch keiner seltsam.
Ich wünschte, man hätte mich damals schon einem Psychologen vorgestellt, vielleicht hätte vieles verhindert werden können.
Ich war einfach erst 13 Jahre alt, als ich anfing, mich zu verletzen. Das ist bald 10 Jahre her und es hängt immer noch an mir. Ich wünschte, jemand hätte der verhindern können.
Und wie kann es jemandem drei Jahre lang nicht auffallen, dass man das eigene Kind seit Jahren nicht mehr im T-Shirt gesehen hat? Wie kann jahrelang kein Lehrer bemerkt haben, dass ich in langen Sachen beim Sport erschien und mich auf dem Klo umzog?
Das kleine Ich ist einfach untergegangen und es tut mir so weh, daran zu denken.
Ich denke, dass sie mich so oft kaputt gemacht haben, dass ich irgendwann einfach so werden musste, wie ich jetzt bin.
Ich bin so stark, ich werde vielleicht aus der Bahn geworfen, aber niemand kriegt mich unter.
Ich werde nicht brechen.
Und ja, manchmal verachte ich Leute, die nicht so sind. Das ist nicht fair.
Manchmal habe ich Angst, dass ich niemanden mehr wirklich an mich heranlassen kann. Nicht wirklich.
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