Samstag, 29. September 2018

Wenn ein Zimmer den Charakter seines Bewohners spiegelte, so war dieses zweifelsohne eine wahre Goldgrube an Informationen. Zwar war nicht auf den ersten Blick zu erkennen, zu welchem Bild sich die Indizien zusammenfügen würden, doch waren sie schon für sich gesehen kurios genug.

Kaum zwei Möbelstücke im Raum passten zusammen, gemein war ihnen lediglich ihre Einfachheit und das Fehlen von Schnörkeln. Man hätte sie durchaus minimalistisch oder funktional nennen können. Doch waren sie ohnehin kaum zu sehen, verdeckt von Unmengen an Büchern, die kreuz und quer gestapelt, ordentlich aufgereiht oder einfach auf Sitzgelegenheiten verteilt lagen. Aber nicht nur Bücher waren überall verteilt, auch Schreibutensilien, Kleidung, verschiedene Skripte, Blöcke und Papiere mischten sich in das Chaos.

Inmitten dieser Welt aus Papier fanden sich einige Stücke, die so offensichtlich von der sonst allgegenwärtigen Handschrift des Bewohners abwichen, dass sie trotz ihrer Schlichtheit sofort ins Auge sprangen. Zwei kleine Aquarien mit undefinierbarem, grünen Inhalt standen auf einem niedrigen Regal, und in einem anderen stapelten sich durchsichtige Dosen, die bei näherem Hinsehen verschiedene Insekten, Spinnen und Schnecken beherbergten. Die Obsession des Bewohners mit Kuriositäten wurde noch deutlicher beim Blick auf die höheren Regale an den Wänden. Dort reihten sich stachelige Pflanzen neben Gläser, in denen tote Tiere und einzelne Organe schwammen, in Alkohol konserviert für die Ewigkeit. Mit leeren Augen starrten sie in den Raum, der doch auch so viel Leben versprühte.

Das Fensterbrett erstrahlte in sattem Grün, das von verschiedenen Pflanzen, die dort allen Raum einnahmen, herrührte. Auf den zweiten Blick zeigte sich, dass auch hier eine gewisse Eigenheit wütete – denn es handelte sich ausschließlich um fleischfressende Arten. Tatsächlich zeigten sie in diesem Raum die einzige Einheit, nämlich ihre perfekt aufeinander abgestimmten Töpfe, die, groß, klein, hoch, tief, doch alle von der exakt gleichen Farbe waren.

Eigentlich nahmen die Pflanzen auch nicht allen Platz auf der Fensterbank ein, ein schmaler Spalt war frei geblieben, dessen Funktion erst dann ersichtlich wurde, als eine kleine, schwarze Katze sich mit einem fast eleganten Satz dort niederließ. Ließ man daraufhin den Blick aufmerksamer durch das Zimmer wandern, zeigten sich dort mit einem Mal, weniger auffällig als das allgemeine Durcheinander, zahlreiche Katzenbetten, Spielzeuge, Decken und Kratzgelegenheiten.

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